Am siebten Tag sollst du ruhen

Glaubenssache

Uta Blohm. Foto: privat
Uta Blohm. Foto: privat

Wir haben es vielleicht vergessen, aber so lautet eines der zehn Gebote. Was wäre, wenn die Menschheit alle sieben Tage ruhen würde? Als Mailand in den ersten ‚Lockdown‘ ging, sagte jemand zu mir: „Werden wir noch reisen können? So sagt uns die Natur, dass wir aufhören müssen.“ Das schien damals unvorstellbar, dass wir nicht mehr reisen würden. Nur wenige Wochen später war es so weit.

In vielerlei Hinsicht wurde unser Alltag, unser Leben unterbrochen. Aber haben wir uns wirklich unterbrechen lassen in all unserer Geschäftigkeit? Es ist wahrlich schwer, uns zur Ruhe zu bringen. Dafür sind doch viel zu kreativ. Ich erhalte inzwischen für online Seminare schon im Voraus Päckchen mit schönen Dingen, die ich nicht brauche.

In jüdischer Tradition wurde das Gebot, den Ruhetag einzuhalten unter anderem verstanden als ein Gebot, einen Tag lang nicht in die Schöpfung einzugreifen. Brauchen wir nicht eine echte Unterbrechung? Wie wäre es, wenn so weit wie eben möglich einen Tag der gesamte Erdkreis nicht gereist würde von Sonnenuntergang bis Sonnenuntergang (außer für Krankentransporte)? Was wäre, wenn möglichst wenig Energie verbraucht würde?

Eine Utopie? Natürlich. Wir könnten uns nicht einmal auf den Tag der Woche einigen, an dem wir unsere Geschäftigkeit unterbrechen sollten. Doch es wird immer deutlicher, dass die Schöpfung dringlich Ruhe von uns braucht. Oder anders, weltlicher gesagt: unsere ununterbrochene menschliche Aktivität zerstört die Natur.

Ein wirklicher Tag der Ruhe erinnert uns vielleicht noch an etwas anderes: Das Leben ist ein Geschenk. Wir müssen nicht ständig etwas erleben oder tun. Denn so sagte es dereinst ein Jesus von Nazareth, dass der Sabbath (der Ruhetag) um des Menschen Willen geschaffen sei.

Pastorin Dr. Uta Blohm
Krankenhausseelsorge

„Glaubenssache - Beiträge und Texte aus Kirche und Religion“ erscheint als Kolumne jeweils sonnabends im Marktspiegel für Burgdorf und Uetze, sowie im Marktspiegel für Lehrte und Sehnde. Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter aus den Kirchen schreiben Beiträge aus ihren Kirchengemeinden, Einrichtungen und Arbeitsfeldern, von ihren Erfahrungen und zu dem, was sie gerade beschäftigt.

Zurück