Gruß zum Erntedankfest

Geistliches Wort der Regionalbischöfin Dr. Petra Bahr

Ein Haufen Dankbarkeit

Fluchten mit leeren Regalen, Zoom auf eine Konservendose, die verloren auf der Seite liegt. Es waren nur ein paar Wochen im April, als sich die Menschen mit Klopapier eindeckten und ein Telefongespräch mit der Frage begann, ob es wieder Hefe gäbe. Im Fernsehen gab es Kochshows, die „aus wenig mehr machen“ im Titel trugen. Die Älteren erinnerten sich an längst vergangene Mangelzeiten nach dem Krieg. Nach einiger Zeit wich die Panik dem üblichen Einkaufsgefühl.  Von allem im Überfluss, die Qual ist nicht die Knappheit, sondern die Wahl.

Naja, mag jemand einwenden. In der Pandemie mangelt es zwar nicht an gutem Essen, aber daran, es mit guten Freundinnen zusammen zu genießen. Es mangelt an spontanen Umarmungen und daran, über einer Sache intensiv die Köpfe zusammenzustecken. Es mangelt an festlichen Abendmählern und vollen Konzertsälen, an spontanen Besuchen und an distanzlosen Begegnungen im öffentlichen Raum. Einsamkeit und Sorge, aber auch Wut - bei den einen auf die Vorsicht, bei den anderen auf die mangelnde Rücksicht der anderen.

An diesem Erntedankfest fällt vielen das Danken schwer. Gerade deshalb sollten wir es als Gemeinde Jesu Christi feiern, als Haltungsübung gegen das, was vor Augen ist. Was hat Gott mir, was hat er uns Gutes getan? Der überraschende Brief einer alten Freundin, die sich 10 Jahre nicht gemeldet hat. Die intensiven Gespräche mit dem Enkel, der am Bildschirm viel redseliger ist. Die gute Gesundheitsversorgung, die Freiheit, in der niemand fürchten muss, wegen seiner Meinung in ein Polizeifahrzeug gezogen zu werden. Es gibt mitten in der Ungewissheit jede Menge Gründe, dankbar zu sein.

Diese Gründe sollten wir aufschichten zu üppigen Haufen. Wenn jede und jeder nur ein paar kleine Gründe mitbringt, wird ein Berg der Zuversicht draus. Gott selbst wohnt auf diesem Berg. Wer Dankbarkeit übt, findet Gott leichter.

 

 

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